Experimenteller Nachweis PAA (predictive anticipatory activity) bzw. "Vorahnung"

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H. Nahash
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Experimenteller Nachweis PAA (predictive anticipatory activity) bzw. "Vorahnung"

Beitrag von H. Nahash » So 21. Jul 2019, 03:11

Wie kann der Körper ein Ereignis wahrnehmen und verarbeiten, bevor es eintritt?

Artikel: Experimentelle Nachweise legen nahe, dass Vorahnungen ein ganz natürlicher Prozess sind.

Im Gegensatz zur Präkognition ist die physische Vorahnung im engeren Sinne wesentlich deutlicher validierbar, da eine körperliche Reaktion (allem voran Gehirnströme, Herzfrequenz, Sinnesorgane) messbar ist und statistisch eindeutiger erhoben werden kann. So hat man in diversen Experimenten meist reproduzierbar die Hypothese bestärken können, dass der Körper bereits auf einen Reiz reagiert, bevor er ausgesendet wird. Das bedeutet beispielsweise, dass das Gehirn Emotionen zu einem Foto verarbeitet, bevor es vom Zufallsgenerator überhaupt ausgewählt wird. Eine mögliche Versuchsreihe können beispielsweise Fotos mit erotischem, gewalttätigem und neutralem Inhalt sein (im unten verlinkten Artikel allerdings in Zusammenhang mit körperlichen Reaktionen nach dem Erscheinen des Bildes). Am stärksten zeigt sich die Fähigkeit besonders am Anfang einer Versuchsreihe, da der Verstand noch nicht voreingenommen ist, also nicht vorab logisch zu erraten versucht, was als nächstes kommen könnte.

Neben der offensichtlichen Infragestellung der gängigen (linearen) Vorstellung von Zeit ergibt sich aus diesen Experimenten u.a. auch die Frage, ob eine körperliche Reaktion "vorempfunden" wird oder ob die verfrühte Wahrnehmung auch eintritt, wenn das Szenario doch keinen Impakt auf den Rezipienten (Empfänger) hat. Beispielsweise könnte man sich dank einer Vorahnung rechtzeitig in Sicherheit bringen und die Gefahr gar nicht mehr wahrnehmen, vor der man sich erfolgreich schützen konnte. In diesem Fall würde man ein körperliches Vorgefühl auch dann bekommen, wenn die (Stress-)Situation rein biologisch nach dem Eintreten des Ereignisses ausbleibt. Wichtig ist für solche Experimente zu beachten, dass man dieses Phänomen nur unter isolierten Bedingungen untersuchen kann, da man im Alltag permanent einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt wird.

Einige Skeptiker machen es sich selbstverständlich leicht:
Während die in der Studie verwendeten statistischen Methoden fundiert sind, heißt das nicht, dass Vorahnung real ist, sagte Rufin VanRullen, ein Kognitionswissenschaftler am Zentrum für Forschung über Gehirn und Kognition, in einer E-Mail.
"Alles, was es bedeutet, ist, dass es einen statistischen Trend für Wissenschaftler gibt, die nach diesen sogenannten Vorahnungseffekten suchen, um sie tatsächlich zu finden", schrieb VanRullen, der nicht an der Studie beteiligt war.
Stattdessen ist es wahrscheinlicher, dass die Experimente - vielleicht unbeabsichtigt - auf eine Weise voreingenommen sind, die die Studienautoren übersehen haben, sagte Kyle Elliott Mathewson, ein Forscher an der Universität von Illinois in Urbana-Champaign per E-Mail.
Quelle (eingehender Artikel): https://allscienceglobe.com/13294-can-o ... uture.html

Jedoch wurden gängige Vorbehalte bereits gründlich untersucht und als nicht hinreichend festgestellt:
Thus, even if researchers p-hacked to get a significant effect in an individual study, it would not necessarily be an effect in the same direction as that tested by the meta-analysis, and therefore it would not necessarily support the hypothesis of the meta-analysis. In fact, several studies examined in the meta-analysis did show effects in directions that opposed the hypothesis of the meta-analysis itself. In this way the meta-analysis was decoupled from one possible source of p-hacking. Nevertheless, the cumulative results remained highly significant.

From these analyses, it appears that p-hacking and other forms of unreported multiple analyses are not a compelling explanation for PAA. However, it is always possible that the evidence for PAA is influenced by more subtle variations in analyses.

[...]

At least one of us (Mossbridge) has found an expectation bias effect in one PAA study, but because removing the bias produced a larger PAA effect, expectation was not a viable explanation.
Quelle: https://www.frontiersin.org/articles/10 ... 00146/full

Wie lässt sich dieses Phänomen nun physikalisch erklären, wenn es offenbar dem materialistische Weltverständnis der westlichen Gesellschaft widerspricht, das in der Regel alles in eine klare Abfolge und Kausalität zu drängen versucht? Bildlich vereinfacht beschrieben bricht sich auch ein Wasserstrom bereits, bevor er auf einen Widerstand (z.B. die Säule einer Brücke) trifft. Damit ist erstmal alles und auch nichts gesagt, aber ich selber kann dafür schlichtweg keine nähere Erklärung geben, außer dass das westliche Realitätsverständnis meiner Meinung nach sehr zweckgebunden daher kommt und deshalb außerhalb seiner selbst-gesteckten Grenzen nicht zwingend die Bezeichnung "realistisch" verdient. Vielleicht findet sich noch jemand, der oder die hier mehr dazu schreiben kann und möchte.


Im Andenken an meinen Mentor und Bruder im Geiste, Semael Nahash.

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